Tag-der-Deutschen-Einheit-Fahne

ls am 9. November 1989 die Mauer fiel, war dies für hunderttausende Bürger der DDR das endgültige Signal zum Aufbruch. In den ersten beiden Jahren nach der Maueröffnung verließen rund 800.000 Menschen die DDR in Richtung Bundesrepublik. Für einige von ihnen wurde Kaarst das Ziel der vielleicht wichtigsten Reise ihres Lebens. „Ganz sicher hatten diese Menschen die Stadt Kaarst nicht zwingend als künftige Heimat im Blick, als sie ihre Wohnungen und Häuser in der DDR verließen. Aber für viele ist Kaarst nach 1989 genau dies geworden: eine neue Heimat“, sagt Bürgermeisterin Dr. Ulrike Nienhaus. Im kommenden Jahr, 30 Jahre nach dem Mauerfall, will die Stadt Kaarst diese sehr lokale deutsch-deutsche Geschichte am Tag der Deutschen Einheit feiern. Im Mittelpunkt der Feier sollen die Menschen stehen, die vor 30 Jahren mit wenigen Habseligkeiten in Kaarst einen Neuanfang wagten.

Allein für das Jahr 1989 verzeichnet das städtische Archiv mehr als 200 DDR-Bürger, die sich in Kaarst registrieren ließen. Dieter Güsgen, heute Leiter des Bereichs Kultur und Stadtmarketing, war damals im Sozialamt unter anderem für die Auszahlung des Begrüßungsgeldes zuständig. Er erinnert turbulente Monate: „Zum Jahresende 1989 nahm der Zuzug aus der DDR immer mehr zu. Teilweise bildeten sich lange Schlangen vor unserem Büro. Das Begrüßungsgeld war aber nur eine Geste. Weitaus wichtiger aus unserer Sicht war die Frage, wie wir Wohnraum für die

Menschen finden können.“ Schon damals setzte die Stadt auf eine dezentrale Unterbringung. „Wir haben Mietwohnungen gesucht, entsprechende Aufrufe in der Presse lanciert und die kurzfristigen Probleme nach und nach in den Griff bekommen“, sagt Güsgen.

In Presseberichten aus dem Winter 1989 wird auch das bürgerschaftliche Engagement deutlich. So organisierte beispielsweise die Tennisabteilung der SG Kaarst Sammlung für Kleidung und Spielsachen. „Die Hilsbereitschaft der Kaarster ist eben gute Tradition“, sagt Bürgermeisterin Nienhaus.

Die „Übersiedler“, wie man die legal eingereisten DDR-Bürger in der Bundesrepublik und auch in Kaarst nannte, leben heute teilweise in zweiter und dritter Generation in Kaarst. Bei der Einheitsfeier im kommenden Jahr sollen sie Gelegenheit bekommen, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. „Wir rufen deshalb alle Kaarster auf, die in zeitlicher Nähe mit dem Mauerfall aus der DDR nach Kaarst gekommen sind, sich bei uns zu melden. Die Deutsche Einheit ist keine Geschichte, die auf die neuen Bundesländer beschränkt. Auch wir in Kaarst haben unsere eigene Geschichte der Deutschen Einheit geschrieben. Diese wollen wir im kommenden Jahr erzählen“, sagt Nienhaus.