Ein erhaltendes Stück der Landwehr.

KAARSTER ORTSSAGE BLEIBT EIN GEHEIMNIS

Die Kaarster Ortssage, Kaarst stamme von Kaiser Karl dem Großen ab, ist nicht nachweisbar. Die Ortssage ist offenbar von dem nicht weit entfernten „Kaisers“-Werth und dessen Kaiserpfalz inspiriert worden. Es gibt jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass Karl der Große jemals in Kaiserswerth gewesen ist, denn der Name „Kaisers“-Werth ist viel jünger.

Nachweislich wird über den Namen Kaarst erstmalig im „Lagerbuch“ der katholischen Kirchengemeinde Kaarst von 1840 berichtet. Als Vorrede hat der damalige Pfarrer Heinrich Frieten im Jahr 1842 eine „Chronika“ verfasst, in der es heißt: Die Namensform Karlsforst „führt auf die Vermutung, der Ort könnte wohl nach Karl dem Großen so genannt sein… Vielleicht hatte der Kaiser hier, wie anderswo, einen eigenen Förster und vergnügte sich während seines Aufenthaltes hier am Rhein in hiesiger Gegend, welche sehr walddicht war, als bekannter Waidmann öfters auf der Jagd. Die Kaarster Karls- oder Ortssage scheint hier ihren Ursprung zu haben.

KAARST IM MITTELALTER

Anders als bei den Städten lässt sich die Entstehung der dörflichen Gemeinden in den mittelalterlichen Urkunden nur sehr schwer verfolgen. Die vorhandenen Quellen informieren uns in der Regel über Besitz und Abgaben, private Rechte und Eigentumsverhältnisse, aber nur äußerst selten über die Gemeinschaften, in denen die Einzelnen standen. Die älteste Gemeindeorganisation, der wir in Kaarst begegnen, ist die Pfarrgemeinde, lateinisch parrochia, deutsch Kirchspiel genannt. Die erste Urkunde, in der die Kaarster parrochiani (Kirchspielsleute) auftreten, stammt aus dem Jahr 1248.

STREIT ZWISCHEN NEUSSERN UND KAARSTERN

Im Jahr 1248 entschied der Erzbischof Konrad von Hochstaden einen Streit, der zwischen den Bürgern der Stadt Neuss und den Kirchspielleuten von Kaarst um die Nutzung der Weidegründe im Bruch zwischen den Orten Neuss, Büderich und Kaarst entstanden war. Sein Schiedsspruch lautete dahingehend, dass alles so bleiben sollte, wie es war: Die Nutzung des Bruches sollte weitergeführt werden. Hier wurde nachweislich Kaarst zum ersten Mal genannt.

DIE URKUNDE LAUTET:

„Konrad, von Gottes Gnaden Erzbischof der heiligen Kölner Kirche, Erzkanzler des Reiches Italien, wünscht allen, die dies lesen, Heil im Herrn. Weil jedem sein Recht ungeschmälert erhalten werden muss, befehlen Wir und wünschen Wir beständig: Die Plätze, die in der Volkssprache „Gemeinde“ heißen und als Eigentum Unserer getreuen Neusser Bürger sowie der Kirchsspielsleute von Kaarst und Büderich im Bruch bei Kaarst schon seit vielen Jahren gelegen sind, sollen ungeteilt bleiben. Vielmehr sollen die genannten Kirchspiele diese gemeinsam nutzen. Gegeben zu Neuss, im Jahre des Herrn 1248, im Monat Juli“.

GERICHTSGEMEINDE

Eine weitere Form der Gemeindebildung ist die Gerichtsgemeinde. Sie geht in ihrem Ursprung in die fränkische Zeit zurück. In seiner klassischen Form bestand das fränkische Gericht aus dem Richter und sieben Schöffen sowie dem „Umstand“ der Gerichtsgemeinde.

Kaarst bildete spätestens seit dem 14. Jahrhundert einen Gerichtbezirk, denn Kaarster Schöffen begegnen uns erstmals im Jahr 1329. Die Schöffen beurkundeten einen Pachtvertrag zwischen der Abtei Kamp und den Eheleuten Johann und Elisabeth von dem Winkel. Da sie kein eigenes Siegel besaßen, wurde der Vertrag mit den Siegeln des Pfarrers Arnold von Kaarst und des Knappen Everard von Lovenburg bekräftigt. Das erste erhaltene Kaarster Siegel stammt aus dem Jahr 1517 und das zweite aus dem Jahr 1641.

DIE LANDWEHR

Die Kaarster Gemarkung hatte die Form eines Dreiecks, dessen Spitze an der Neusser Furth lag und dessen Seiten von den Sumpfwäldern im Osten und Südwesten gebildet wurden. Die Basis dieses Dreiecks besaß keine natürlichen Grenzen, sondern ging auf breiter Front nach Norden und Nordwesten in die trockene Kempener Platte über.

Dafür wurde eine künstliche Grenze errichtet: die Landwehr. Ihr Verlauf ist im Wesentlichen mit der heutigen Stadtgrenze identisch. Zu Anfang des 19.Jahrhunderts war sie bis auf kleinere Unterbrechungen noch vollständig erhalten. Die Landwehr war ein Graben-Wall-System mit ca. 2-3 Meter Höhenunterschied. Auf den Wällen wurde dichtes Gebüsch angepflanzt, so das eine undurchdringliche Hecke entstand. Nur an wenigen Stellen war dieses System passierbar: an den Landstraßen, wo Schlagbäume die Durchfahrt verwehrte. Die Landwehr sollte den Handelsverkehr auf den Landstraßen erzwingen, damit eine Art „Maut“ Wegezoll eingenommen werden konnte. Auf dem Kaarster Stadtgebiet hat es drei Zollstellen gegeben. Die erste Erwähnung der Landwehr findet im Jahr 1340 in Zusammenhang mit einer Vermessung statt.