Foto: einzigARTig

Dieser Kalender zeigt beeindruckende Porträts starker Frauen unserer Zeit: Die Kaarster Fotografin Julia Bruns (einzigARTig) und Braun – der Friseur bieten in ihren Geschäften jetzt einen „zeitlosen“ Kalender mit ungewöhnlichen Frauenbildern an. Beide haben sich an einem Projekt beteiligt, das die Düsseldorfer Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher zum Weltfrauentag am 8. März 2019 gestartet hatte: Weltfrauen – Tagträume. Es hat sich zu einer Benefiz-Aktion für den Verein „MitMenschlichkeit – Initiative für Kinder in Deutschland e.V.“ entwickelt.

Der Kalender, der dank der speziellen Foto-Technik und der Qualität der Herstellung eher einem zeitlosen Kunstwerk entspricht, ist nicht an ein bestimmtes Jahr gebunden, sondern kann dauerhaft genutzt werden. Er kostet 39,90 Euro, das Geld geht an die Initiative „MitMenschlichkeit“.

Julia Bruns hat die Fotos kostenlos gemacht und ihre „Models“, die Franc Braun gestylt und geschminkt hatte, an verschiedenen Orten im Düsseldorfer Regierungspräsidium in ungewöhnlichen Kostümen fotografiert. Mit im Boot war auch die Chefin der deutschen Oper am Rhein, die für jedes Model ein Kostüm aus dem riesigen Fundus der Oper zur Verfügung gestellt hatte. „Ich bin durch das ganze Gebäude gelaufen und habe mir die passenden Orte ausgesucht“, erzählt Julia Bruns.

Die Initiative „MitMenschlichkeit“

Der Kinderschutzverein „MitMenschlichkeit“ wurde von Ruth Marquardt 2017 gegründet.

Die Hypno-Therapeutin, Systemische Beraterin und NLP-Trainerin ist seit 2009 als TV-Expertin für die Themen Liebe, Familie und Beziehungen regelmäßig vor der Kamera zu sehen. Sie hat selbst in ihrer Kindheit jahrelang sexualisierte Gewalt erlebt und „ich habe lange gearbeitet, um da raus zu kommen. Jetzt möchte ich anderen Kindern helfen“, schildert sie. Jedes Kind, jede Frau, jede Familie, die sexuelle Gewalt, Mobbing oder ähnliches erfahren haben, können sich ganz unkompliziert an Ruth Marquardt, ihre Kolleginnen und Kollegen wenden. Sie hören als erste Ansprechpartner zu und klären auch über Missbrauch und seine Folgen auf und „wie wir alle besser vorbeugen können, um unsere Kinder zu schützen“, erklärt sie.

Die Mitglieder des Vereins möchten als erste Ansprechpartner zur Verfügung stehen und ein Zeichen setzen: „Du bist nicht allein“. Sie achten darauf, was die betroffenen Kinder und ggf. auch ihre Familien brauchen, suchen auf Wunsch einen Therapeuten / eine Therapeutin, dem/der das Kind vertraut und sind generell so lang für die Kinder da, wie sie Unterstützung benötigen.

Auch Ruth Marquardt ist eins der Models für den Kalender – in einem Kostüm aus der „Lustigen Witwe“, das mit seiner pink-lila Farbgebung, der opulenten Ausschmückung und Stiefeln im Leo-Print so garnicht ihrer sonst üblichen Business-Kleidung entspricht, aber vielleicht auch genau deswegen „genau meins“ war, wie sie berichtet: „Ich habe mich mega-wohl gefühlt in dem Look.“ www.mitmenschlichkeit.com

Interview

Birgitta Radermacher, die Initiatorin des Projektes, ist seit 2017 Regierungspräsidentin in Düsseldorf. Für „wat is los? – Kaarster Stadtjournal“ beantwortete sie Fragen zu dem Kalender und den Ideen dahinter.

Red.: Frau Radermacher, wie ist die Idee zu der Aktion und dann später zu dem Kalender entstanden? Was wollten Sie bezwecken?
BR: Die Idee entstand spontan nach einer sommerlichen Flasche Weißwein mit Ruth Marquardt und Claudia Niewerth auf meinem Balkon. Wir wollten gerne etwas zum Internationalen Frauentag machen, einen Beitrag leisten, der originell und witzig ist. Wir alle kannten Bilder von wunderbar lebensnah und doch außergewöhnlich aufgenommenen Menschen Ü 60 in der buntesten Kleidung. Als Regierungspräsidentin mit Dienstsitz in einem imposanten Denkmal lag die Idee für ein Fotoshooting an historischem Ort mit Frauen in historischen Kostümen am Ende des Abends dann nicht mehr ganz so fern.

Red.: Unter welchen Überlegungen haben Sie die „Models“ ausgewählt, die abgebildet sind?
BR: Ich habe Freundinnen angesprochen und in meinem Umfeld Menschen gesucht und gefunden, die sich für das Projekt begeistern konnten.

Red.: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Deutsche Oper einzubinden?
BR: Durch persönliche Kontakte wurde dies möglich, und wo sonst gibt es solch prächtige historische Kostüme? Die Herrscherin über den Fundus der Oper hat für jedes Model einige Kostüme zur Wahl ausgesucht und dabei ein unglaubliches Gespür bewiesen, was zu welchem Typ passt.

Red.: Sie haben sich auch selbst fotografieren lassen – in welchem Outfit und was hat die Kleidung für Sie bedeutet?
BR: Ich lasse in meinem Kostüm die 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts wiederaufleben – ganz in Schwarz mit Hut, blutroten seidenen Handschuhen und eleganter Zigarettenspitze. Das passt zu mir. Ich bin – was ich an dem Tag sehr bedauert habe – leider kein barocker Typus mit lockigen langen Haaren.

Red.: Wie beurteilen Sie das Ergebnis der Aktion?
BR: Wir waren vom Ergebnis kolossal beeindruckt und ich bin nach wie vor völlig begeistert. Der Kalender „Weltfrauentag-Träume“ bedeutet viel mehr als das bloße Vergnügen, das wir ALLE an diesem Tag hatten. Es geht nicht nur um uns. Durch die professionelle Auswahl der Kostüme, der Frisuren und Schminktechnik und dem Können der Fotografin Julia Bruns wird ein großartiger und außergewöhnlicher Blick auf Frauen geworfen.

Die Botschaft: Jede Frau ist schön. Und in diesem Fall tun sie zudem Gutes: Der Erlös des Kalenders kommt der Initiative „MitMenschlichkeit“ zugute, die Menschen unterstützt, die sexuelle Gewalt oder ähnliches erfahren haben.