Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648)

Das erste Jahrzehnt der Katastrophenzeit, die man später den „Dreißigjährigen Krieg“ nannte, lief für den Niederrhein glimpflich ab. Es blieb bei gelegentlichen Durchzügen kaiserlich-katholischer und niederländisch-protestantischer Truppen. Ab 1630 wurde dann die Lage prekärer. Immer häufiger hat es mehr Einquartierungen gegeben und die kaiserlichen Truppen, die im Grevenbroicher und Jülicher Land in Quartier lagen, führten sich wie in Feindesland auf.

Großer Krieg am Niederrhein

Erst in seiner letzten Phase, ab 1640, zog der große Krieg den Niederrhein mit seiner ganzen brutalen Härte in Mitleidenschaft. Der „hessische Krieg“, wie er von der Bevölkerung nach den Hauptbeteiligten, dem auf protestantisch-schwedisch-französischer Seite kämpfenden Heer der Landgräfin von Hessen-Kassel, genannt wurde, ruinierte zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahrhunderts die soziale und wirtschaftliche Basis des Niederrheins. Seine Schäden waren noch nach Jahrzehnten deutlich erkennbar. Es begann damit, dass zwei hessische Truppen ins Herzogtum Kleve einrückten und das Herzogtum Jülich besetzte. Daraufhin zog ein französisch-weimarisches Heer ein. Gegen diese Gefahr rückten zwei kaiserliche Armen heran.

Die Folge war eine der brutalsten Schlachten am Niederrhein. Am 17. Januar 1642 bei der Schlacht von benachbarten St. Tönis wurden von dem 9000 Mann starken Heer etwa 5000 Menschen getötet oder gefangen genommen. Die Reste des kaiserlichen Heeres flüchteten nach Süden und am 21. Januar wurde das französisch-hessische Hauptquartier zunächst nach Büttgen und anschließend an die Erft nach Neuss verlegt.

Stellungskrieg mit Not, Seuchen und Hungerstod

Die Bewohner von Kaarst und der umliegenden Ortschaften flüchteten auf den Liedberg, wo alsbald unter den auf so engem Raum zusammengepferchten Menschen Hungerstod und Seuchen ausbrachen. Es starben rund 3500 Flüchtlinge, unter anderem aus Glehn, Kaarst und Büttgen.

Von Oktober 1642 bis 1645 entwickelte sich eine Art Stellungskrieg am Erft-Ufer. Auf der einen Seite der Erft die kaiserlich-bayrische Truppen mit Reitergeneral Jan van Werth, auf der anderen Seite die hessischen Truppen. Von diesen Garnisonen wurde ein unaufhörlicher Kleinkrieg geführt, in dem nichts, weder Leben noch bewegliches oder unbewegliches Gut, vor Zugriff der Besatzungstruppen sicher war.

Jubel beim Kriegsende

Es gab für die Zivilbevölkerung von Kaarst und Büttgen weder Eroberer noch Befreier. Sie hatte von den Soldaten beider Seiten nur das Schlimmste zu erwarten, gleichgültig, in welchem Verhältnis die Landesherren, der Erzbischof oder der Herzog von Jülich, zu ihnen standen. Man kann heute noch den Jubel nachempfinden, als 1648 der „Westfälische Frieden“ ausgerufen wurde. Der Krieg hatte einen Abgrund von Not und Leid in unserer Region aufgerissen, den nur die Arbeit von Generationen schließen konnte. Kaarst und viele Gemeinden und Dörfer am Niederrhein waren völlig zerstört und gänzlich verarmt.

Westfälische Frieden

Der „Westfälische Friede“ war eine Reihe von Friedensverträgen, die zwischen dem 15. Mai und dem 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück geschlossen wurden. Sie beendeten den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland.

Entsprechend den nach Verhandlungsparteien getrennten Tagungsorten des Friedenskongresses wurden zwei komplementäre Friedensverträge ausgehandelt. Für den Kaiser und Frankreich war dies der Münstersche Friedensvertrag. Für Kaiser und Reich einerseits und Schweden andererseits der Osnabrücker Friedensvertrag. Beide Verträge wurden schließlich am selben Tag, dem 24. Oktober 1648, in Münster im Namen von Kaiser Ferdinand III. und König Ludwig XIV. von Frankreich bzw. Königin Christina von Schweden unterzeichnet.

Die reichsrechtlichen Regelungen der Verträge wurden zu Bestandteilen der Verfassungsordnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bis zu dessen Ende im Jahr 1806. Zugleich trug der allgemeine Friede zur gesamteuropäischen Stabilität bei, da sich spätere Friedensschlüsse bis zur Französischen Revolution immer wieder an ihm orientierten.