Heute gehört das Kunst-Café Einblick fest in die Gastronomie-Landschaft in Kaarst – dass das so ist, ist auch dem Engagement dieses Kaarster Kopfes zu verdanken: Brigitte Albrecht engagiert sich seit Jahren dafür, dass Menschen mit Behinderung in die Mitte des Lebens geholt werden. Die heute 70-Jährige wurde in Düsseldorf geboren und absolvierte ein Studium zur Sonderschullehrerin. „Das war mein Traumberuf“, sagt sie – denn sie hatte einen Film gesehen, bei dem es um ein taubstummes Mädchen ging. Eigentlich habe sie sich mit Sprachförderung beschäftigen wollen, das kam anders: Sie zog 1980 mit ihrem Mann nach Kaarst – zuerst wohnte das Ehepaar in Vorst, später in Kaarst. Hier fand sie eine Stelle an der Sebastianusschule – eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Von 1995 bis 2010 lebte sie in den Niederlanden, wo das Thema Inklusion von Behinderten schon weiter war als in Deutschland.

GRÜNDUNG FÖRDERVEREIN

2001 gründete sie mit zehn weiteren ehrenamtlich engagierten Menschen den Förderverein und eröffnete zuerst 2003 ein Atelier. 2004 wurde das heutige „Kunstcafé EinBlick“ eröffnet. Wichtig war von Beginn an: „Es ist ein Straßencafé wie jedes andere. Nur so kann es funktionieren“. Der Unterschied besteht nur darin, dass die Mitarbeiter eben auch eine geistige Behinderung haben. Die Resonanz der Gäste habe sich verändert, meint Brigitte Albrecht: Am Anfang habe es Bedenken gegeben, sich „von behinderten Menschen bedienen zu lassen. Aber das war Unsicherheit“. Jetzt seien acht Menschen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Wichtig ist die Offenheit: Die großen Fenster lassen den Einblick zu, die Lage neben dem Rathaus ist mitten im Leben, „die andere Atmosphäre ist der Erfolg unseres Cafés“. Sie betont, dass behinderte Menschen viele Stärken haben, „es geht nicht um Intellekt, sondern um Emotion und ein Riesenpotential an Kreativität.“

In Corona-Zeiten hat sich gezeigt, dass die Kaarster das „EinBlick“ wertschätzen und unterstützen: Es hat viele Spenden zur Unterstützung des Vereins gegeben, sie habe ein Kärtchen im privaten Briefkasten gehabt mit der Aufmunterung „Halten Sie durch“, erzählt Brigitte Albrecht. Ihr erfreuliches Fazit: „Behinderte Menschen sind aus Kaarst nicht mehr wegzudenken“. www.einblick-kaarst.de