In den 1870er Jahren gab es sozusagen schon die ersten „Vollsorti­menter“ im heutigen Holzbüttgen. Dort betrieb nämlich Frau Spicker, geb. Schroers aus Büttgen an der Kreuzstrasse einen Laden, der Bäckerei, Kneipe, Poststelle, Lebensmittelladen und Holz­ und Kohlen­handlung in Einem war.

„Die Frau Spicker“ war die Oma von Josef Karis, der bis heute überall nur als „dä Karis Jupp“ bekannt ist. Von ihr hat Opa Werres dann 1920 die Kohlenhandlung übernommen und an die andere Oma, nämlich die Oma Karis und deren Tochter weitergegeben. Nach dem Krieg, als Kohlen auch wieder zivil verwendet wurden, führte Wilhelm Karis, der Vater von Jupp, die Kohlenhandlung weiter.

DIE DRITTE GENERATION

In den Aufbruchs­ und Blütejahren wurden immer mehr Wohnungen mit eigenen Öfen und später auch Ölheizungen ausgestattet und so konnte Vater Karis 1971 seinen Sohn Josef mit ins Geschäft nehmen, dem er dann sieben Jahre später den Brennstoffhandel komplett übergeben konnte. Josef Karis etablierte das Geschäft in den folgen­ den Jahren und wollte sich in den 90er Jahren, als das Gebiet „Hüngert“, was dem heutigen Industriegebiet „Kaarster Kreuz“ ent­spricht, um ein größeres Grundstück bewerben. Doch dort, so hieß es seinerzeit etwas hochnäsig aus dem Kaarster Rathaus, waren „Krauter und Kohlenhändler unerwünscht“.

EINE UNGEWÖHNLICHE GEBURTSTAGSEINLADUNG

Die Berufsbezeichnung Krauter und Kohlenhändler wollte Josef Karis gerade noch gelten lassen, aber, dass er „unerwünscht“ sein sollte, war ihm dann doch zuviel. In der ihm eigenen Art lud er darauf hin als „Ölscheich vom Niederrhein“ zu seinem 50 ten Geburtstag ein, in der Hoffnung, dass Politik oder Verwaltung sich entschuldigten. Doch, weit gefehlt; aber ausgesprochen humorvoll war die Antwort aus dem Rathaus: In einem Schreiben der Stadt gratulierte man ihm zu seinem „Emirat“ und wünschte ihm allzeit eine glückliche Hand und gute Bierpreise. Ob dies eine Anspielung auf seine Funktion als Jägermajor bei den Holzbüttger Schützen war, sei dahingestellt.

AKTIV IN VIELEN BEREICHEN

Zwanzig Jahre sind seither vergangen, in denen Josef Karis sich immer wieder eingemischt hat. Als Ratsherr für die Freie Wähler­gemeinschaft Kaarst hat er mittlerweile sogar auch eine Legitimation dafür. Sein Brennstoffhandel hat alle Ölkrisen überstanden, wirtschaftliche Auf­ und Abschwünge hat er gut umschifft und für viele Kaarster ist der „Karis Jupp“ erster Ansprechpartner, wenn es im Sommer daran geht, über die Befüllung der Heizöltanks nachzu­denken.

Josef Karis denkt aber auch über viele andere Dinge – weit über den Tellerrand von Kaarst hinaus – nach. Fachlich immer auf dem aktuellen Stand der Diskussionen zum Thema alternative Energien, Brennstoffe und Heizungen hängt sein Herz so ganz nebenbei auch an der aktiven Gestaltung des politischen Lebens. Immer für eine kritische Nachfrage zu haben, lautstark und oftmals auch unbequem, so kennt man ihn. Nicht ganz der klassische Mittelständler, den die Politik sich vielleicht wünscht; aber ein Kämpfer für seine Ideen und seine Ziele.

Ein Krauter ist Josef Karis schon lange nicht mehr, Brennstoffhändler noch immer und Puzzleteil in der Kaarster Politik­ und Wirtschaftswelt wahrscheinlich noch sehr lange! Und sein Wunsch ist es, jedem Betrieb, egal welcher Größe, die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen.


PR-ANZEIGE