Foto: Stadt Kaarst

Zu lange wurde zugesehen, wie der Nordkanal verdreckt, jetzt ist Zeit zum Handeln. Das sieht auch der Gesetzgeber: Die Europäischen Rahmenrichtlinien aus dem Jahre 2000 zur Reinhaltung fließender Gewässer besagen, dass sämtliche fließenden Gewässer bis 2015 von Giftschlamm und Sondermüll befreit werden müssen.

Wie jeder weiß, ist dies nicht geschehen. Eingefordert wurde dies im Rhein-Kreis vom Boden- und Wasserzweckverband Nordkanal, an dem die Städte Neuss, Kaarst, Korschenbroich und Willich beteiligt sind. Es folgten viele Untersuchungen, die einige Maßnahmen brachten. Letztlich seien dies Kleinstmaßnahmen, die das Potenzial verbessern sollen. Karis ist der Meinung, dass der Schlamm raus aus dem Nordkanal muss. „Es geht darum, dass der Schlamm hochgradig belastet ist.“ Er habe vor rund 20 Jahren Proben untersuchen lassen, die verheerend gewesen seien. Zudem sieht Karis in der Maßnahme, den belasteten Schlamm aus dem Nordkanal zu entfernen, eine wirkungsvolle Methode, das Grundwasser abzusenken.

„Die Entschlammung des Nordkanals ist ökologisch nicht nur ein Muss, sondern eine Verpflichtung aufgrund europäischer Richtlinien“, so Karis. Durch das Ausbaggern des Nordkanals wird zudem zur Absenkung des Grundwasserspiegels beigetragen. Dieser wird spätestens dann gewaltig steigen, wenn Rhein-Braun einmal die Pumpen abstellen wird. Auch ist seit 50 Jahren nichts an den Graben- und Flutungssystemen gemacht worden. Im Gegenteil, sie wurden teilweise zugeschüttet.

Bürgermeisterin Frau Dr. Nienhaus bezweifelt hingegen, dass das Entschlammen viel bewirken würde. Zudem sagt sie: „Man kann jetzt nicht einfach anfangen, den Schlamm rauszuholen. Man muss sich das mal vorstellen, man würde hinten mit einem Bagger anfangen, dann kommt ja direkt Schlamm aus Willich nach.“ Vielleicht sollte man dann in Willich anfangen? Diese Stadt gehört ja ebenfalls zum Boden- und Wasserzweckverband Nordkanal, dessen Vorsitzende Frau Dr. Nienhaus ist.

Die Kosten für eine Entschlammung liegen je nach Entsorgungsort (Mülldeponie Skihalle oder Tagebau Garzweiler) bei 1 bis 2,5 Millionen Euro, die auf die Anliegerstädte des Nordkanals verteilt würden. In den 60er Jahren musste jeder Haushalt 2,50 DM an den Verband zahlen, was Gemeindedirektor Möllmann 1976 wegen Geringfügigkeit abschaffte. Das wären heute über 2 Millionen Euro.

Das Hochwasser 1947 ist ein Beispiel, wie durch extreme Regenfälle und Tauwetter in Büttgen und Holzbüttgen eine Flutkatastrophe entstehen kann, die die gesamte Region mehr als 50cm tief unter Wasser setzte. Es liefen also nicht nur die Keller voll, sondern zum größten Teil auch die Räume im Erdgeschoss. Die Weiler- und Buscherhöfe in Büttgen waren mit fast 2 m Wasserstand besonders stark betroffen.


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