Karl der Große auf der Jagd im Karlsforst, Gemälde von Walter Ritzenhofen. Quelle: Die Geschichte der Stadt Kaarst, 1987

Die mittlere kreisangehörige Stadt hat rund 43.800 Einwohner und ist mit einer Fläche von 37,4 km² die flächenmäßig kleinste, aber nach der Kreisstadt Neuss die am dichtesten besiedelte Stadt des Rhein Kreises Neuss. Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurde die Gemeinde Kaarst am 1. Januar 1975 mit der Gemeinde Büttgen, bestehend aus den Ortschaften Büttgen, Holzbüttgen, Vorst und Driesch, zur „Großgemeinde Kaarst“ zusammengelegt. Am 1. Januar 1981 wurde Kaarst durch die Funktionalreform das Stadtrecht als mittlere kreisangehörige Stadt zugesprochen.

Unsere Stadt grenzt im Nordosten an die Stadt Meerbusch. Im Osten bilden die Bundesautobahnen A 57 und A 52 die Grenze zur Stadt Neuss, im Südosten verläuft die gemeinsame Grenze über landwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Süden und Südwesten grenzen die Stadtteile Büttgen, Driesch und Vorst an die Nachbarstadt Korschenbroich. Westlich der Kaarster Seen und im weiteren Verlauf nordwestlich der A 52 findet sich die Grenze zur Stadt Willich im Kreis Viersen.

KAARST IN DER ANTIKE: NOVAESIUM, DURNOMAGUS UND GELDUBA

Mit der römischen Eroberung des linksrheinischen Gebietes, die mit Julius Caesars Vorstoß an den Rhein 58 v. Chr. begann und um Christi Geburt beendet war, wurde eine durchgreifende Romanisierung eingeleitet. Nach der Niederlage des Varus im Teutoburger Wald und mehreren Feldzügen entschied sich Kaiser Tiberius, den Unterlauf des Rheines als endgültige Grenze des Römischen Reiches festzulegen. Es wurden Legionslager in unserer Region angelegt, wie Novaesium (Neuss) oder Durnomagus (Dormagen) und Gelduba (Krefeld-Gellep). Im Hinterland entwickelte sich eine dichte bäuerliche Besiedlung. Obwohl es schriftliche Quellen für die römische Zeit gibt, sind wir doch für spezielle Erkenntnisse über unser Stadtgebiet auf archäologische Funde angewiesen.

RÖMERSTRASSEN AM RHEIN

Mit großer Sicherheit lässt sich der Verlauf der Limes-Straße auf dem linken Rheinufer feststellen. Eine Römerstraße dürfte über die heutige B9 und 222 vom Lager Novaesium über Büderich nach Gelduba-Gellep und weiter nach Norden geführt haben.

An der Furth, so muss man annehmen, zweigte schon in der römischen Zeit eine Straße ab, die im Mittelalter von großer Bedeutung war. Es handelt sich um den heutigen Straßenzug Lange Hecke – Alte Heerstraße, der in Richtung Willich / Kempen führte. Ein Stück römischer Straße ist in den 60er Jahren durch eine Luftbildaufnahme westlich der Kaarster Stadtgrenze auf Schiefbahner Gebiet entdeckt worden. Eine dritte römische Straße war möglicherweise der ebenfalls „Alte Heerstraße“ genannte Weg, der von Neuss kommend zwischen Büttgen und Driesch in westlicher Richtung verlief und infolge der Flurbereinigung verschwunden ist.

FRÄNKISCHE ZEIT AM KAARSTER KREUZ

Um 400 n. Chr. brach die römische Grenzverteidigung am Rhein unter dem Ansturm der germanischen Franken zusammen, die immer wieder mit Überfällen und Raubzügen das linksrheinische Gebiet heimgesucht hatten. Ein besonders wichtiger Fundplatz war ein Reihengräberfeld, das in Kaarst entdeckt wurde.

In den Jahren 1958 und 1969 wurden bei Kaarst Kiesgruben zum Bau der Autobahnen A 52 und der A 57 ausgehoben. Dabei wurden 32 Gräber aus der Frankenzeit (6.–8. Jh. n. Chr.) entdeckt. In den Gräbern wurden Waffen, Schmuck und eine Goldmünze gefunden. Funde aus dieser Zeit kommen meist nur durch Erdbewegungen zutage. Der Grund dafür liegt darin, dass die fränkischen Siedlungen unter unseren heutigen Dörfern und Städten liegen und kontinuierlich überbaut worden sind.

AUS KARLSFORST WIRD KAARST: EINE GRÜNDUNG KARLS DES GROSSEN?

Kaarst wurde im Jahr 1218 als „Karlessvorst“ erstmals urkundlich erwähnt. Über die Jahrhunderte wurde der Ortsname im Sprachgebrauch zu Kaarst verkürzt und eigentlich besteht kein Zweifel, dass der heutige Name aus Karlsforst entstanden ist. Der Name Karlsforst besteht aus zwei Teilen, die beide nicht alltäglich sind. „Forst“ bedeutete einen besonderen, dem allgemeinen Gebrauch entzogenen Wald; noch heute spricht man von einem „Staatsforst“. Es liegt daher nahe, den mittelalterlichen „KarlsForst“ als einen Waldbereich zu deuten, der im Besitz eines Mannes namens „Karl“ gewesen ist. Einen Schritt weiter gehen die Vermutungen, dass es sich nicht um irgendeinen Träger dieses Namens handelte, sondern um eine Persönlichkeit in herausgehobener Stellung: einen adligen Herrn oder eben um einen König: „Karl der Große“.

Die volkstümliche Überlieferung und die heimatgeschichtliche Literatur führen Kaarst auf Karl den Großen zurück, den fränkischen König, der von 768 bis 814 regierte und im Jahre 800 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Ein Gemälde von Walter Ritzenhofen aus dem Jahr 1959 zeigt den König auf der Jagd im Karlsforst, dafür sprechen auch einige Funde aus der Frankenzeit. Ob der Name Kaarst allerdings von „Karl der Große“ stammt, ist nicht nachweisbar und bleibt bis heute ungelöst.