BÜTTGENS BEKANNTESTE PERSÖNLICHKEIT – KAVALLERIEGENERAL JAN VON WERTH

Johann (Reichs) Freiherr von Werth, genannt Jan von Werth und auch Jean de Werth, Jean de Weert oder Johann von Weerth (* 1591 in Büttgen; † 12. September 1652 auf Schloss Benatek) war einer der bekanntesten deutschen Reitergeneräle im Dreißigjährigen Krieg.

Von Weerth stammte aus einfachen Verhältnissen und erlebte den Krieg von der Schlacht am Weißen Berg 1620 bis zur Schlacht bei Dachau 1648. Seit den 1630er Jahren prägte er ihn als Heerführer, zunächst auf spanischer bzw. kurkölnischer, dann auf bayerischer, zuletzt auf kaiserlicher Seite auch bedeutend mit.

DER GEBURTSORT – DER WEILERHOF IN BÜTTGEN

Der beeindruckende Vierkanthof / Weilerhof ist schon 1280 in Gerresheimer Urkunden aufgeführt. Dreihundert Jahre später, im Jahr 1591 soll auf diesem Hof, zirka einen Kilometer westlich von Büttgen, Johann von Werth geboren worden sein.

KNECHT AUF FREMDEN HÖFEN

In seiner Jugend musste Johann, wie damals üblich, auf dem elterlichen Hof mitarbeiten. Mit dem Tod seines Vaters verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Familie, Johann musste mit seiner Mutter und den acht Geschwistern in ein kleineres Haus umziehen und verdingte sich fortan als Knecht auf fremden Höfen. Seine einfache Herkunft brachte es mit sich, dass er nie das Schreiben erlernte, so dass es keine eigenhändigen Zeugnisse von ihm gibt.

AUFSTIEG ZUM OFFIZIER IM KAISERLICHEN HEERESDIENST

Um das Jahr 1610 trat er als Söldner in die Dienste der spanischen Armee unter General Ambrosio Spinola. In den folgenden Jahren diente er in der Kavallerie und arbeitete sich bis zum Offizier hoch. 1620 nahm er als Kürassier an der Schlacht am Weißen Berg teil, der ersten großen Schlacht des Dreißigjährigen Krieges. Im Jahr 1621 wechselte Johann von Werth in kurkölnische Dienste. Bei der Belagerung von Jülich wurde er auf Grund seiner Leistungen zum Rittmeister befördert.

Jan wurde 1631 Oberstwachtmeister im bayerischen Regiment „Eynatten“ der Brüder Adolf und Winand von Eynatten. Im Dezember 1632 erhielt Johann von Werth die Beförderung zum Obristen und das Kommando über das Regiment „Eynatten“. In der Folgezeit gelangen ihm mehrere Siege gegen die schwedischen Truppen, und so wurde er nach dem Sieg über ein schwedisches Korps bei Herrieden im Februar 1634 zum Generalwachtmeister befördert.

VON WERTH WIRD REICHSFREIHERR VON WERTH

In der Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 gelang es Johann von Werth mit seiner Kavallerie, eine entscheidende Wende der Schlacht herbeizuführen. Als Dank für seine Leistung in dieser Schlacht beförderte ihn sein Dienstherr, der Kurfürst Maximilian I. von Bayern, zum Feldmarschallleutnant. Kaiser Ferdinand II. zeigte seinen Dank für den Sieg in der Schlacht, indem er Johann von Werth im April 1635 zum Freiherrn erhob. Auf dieser Erhebungsurkunde ist auch das vom Kaiser gestiftete und von diesem Zeitpunkt an von Johann Reichsfreiherr von Werth geführte Wappen abgebildet.

GEFANGENSCHAFT IN PARIS BIS 1642

Am 3. März 1638 wurde Johann von Werth unter Herzog Bernhard in der Schlacht bei Rheinfelden bei Nollingen gefangen genommen und an Frankreich ausgeliefert. Nach dem Ehrenwort, nicht zu fliehen, verbrachte Werth einige Jahre in einer sehr komfortabel gestalteten Haft mit Audienzen bei König Ludwig XIII. und mit Jagdausflügen in den Wäldern vor Paris. Am 24. März 1642 wurde er gegen den schwedischen General Gustaf Graf Horn ausgetauscht. Noch während der Gefangenschaft hatte er mit Hilfe des Heidelberger Statthalters Heinrich von Metternich das Dorf und das Schloss in Grombach erworben, um seine Besitztümer im Kraichgau zu vergrößern. Neben diesen und den ihm von Kurfürst Maximilian verliehenen Gütern in Böhmen, Bayern und der Oberpfalz erwarb Werth außerdem weitere Güter im Umland von Köln.

KRIEGSENDE UND TOD

Werths Besitztümer im Kraichgau waren gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges vom französischen Kommandanten der Festung Philippsburg konfisziert worden. So verblieben Werth im Kraichgau die erworbenen Besitztümer in Grombach und Mückenloch. Seine aktive Laufbahn beendete Johann von Werth im Jahr 1650. Er zog sich auf das von ihm um einen zweistöckigen Flügelbau erweiterte Schloss im böhmischen Benatek zurück, wo er nach kurzer Krankheit am 12. September 1652 vermutlich an Blutvergiftung starb. Er wurde in der Gruft der Maria-Geburt-Kirche in Neu Benatek beigesetzt.

SAGE VON JAN UND GRIET

Jan war als Jugendlicher ein armer Knecht, der sich in die Magd Griet verliebt hatte. Da sich Griet aber eine bessere Partie als den armen Knecht Jan vorstellen konnte, lehnte sie sein Werben und seinen Heiratsantrag ab. Jan, von der Ablehnung schwer getroffen, ließ sich von einem Werber, der gerade im Ort war, für die Armee anwerben und zog in den Krieg. Später wurde er General. Nach einem Sieg zog er im Triumphzug durch das Severinstor mit seinen Truppen in Köln ein. Dabei entdeckte er auf dem Markt seine einstige große Liebe Griet. Er stieg vom Pferd ab, zog seinen Hut und sagte zu ihr: „Griet, wer es getan hätte!“. Und sie antwortete ihm: „Jan, wer konnte das wissen!“ Er stieg daraufhin wieder auf sein Pferd und ritt davon.

Der Kölner Straßenkarneval eröffnet jedes Jahr an Weiberfastnacht mit dem Historienspiel „Jan und Griet“. Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen verleiht in jedem Jahr eine Jan-van-Werth-Plakette.