Büttgen im Mittelalter 

Die mittelalterliche Geschichte Büttgens zeigt manche Parallelen zu der von Kaarst, aber auch erhebliche Unterschiede. Hier wie dort sind rein bäuerliche Verhältnisse gleich. Siedlungs-, Besitz- und politische Geschichten entwickeln sich anders. Während die schriftlichen Quellen für Kaarst erst nach 1200 einsetzen, haben sich für Büttgen einige wichtige ältere Nachrichten erhalten. Aus dem Spätmittelalter besitzt die Stadt sogar Urkunden von hohem Wert für die Entstehungsgeschichte der ländlichen Gemeinden am Niederrhein. 

„Bütt-ken“ oder „Bütt-chen“ 

Die Namensform Budica ist eigentümlich. Sie gehört nicht unserer Sprache an, muss also vor der fränkischen Eroberung um das Jahr 400 n. Chr. schon vorhanden gewesen sein. Aus den späteren Formen „Budecho“ (1027), „Budeche“ (1197) und „Budeke“ (1249) können wir erkennen, dass das heutige Endungs-N des Ortsnamens nicht alt ist. Die Formen -ch- sind hochdeutsche Lautung des ursprünglichen -k-. Will man also die Frage entscheiden, ob man Büttgen als „Bütt-chen“ oder „Bütt-ken“ aussprechen soll, so gibt es keine eindeutige Antwort: Die Aussprache mit -k- hält die ältere Sprechweise in lateinischem und plattdeutschem Munde fest, die mit -ch- die hochdeutsche. Also hatte man sich im Laufe der Neuzeit auf die hochdeutsche Sprechweise als auf „Büttchen“ geeinigt.  

„Budica“ 

Es hat den Anschein, dass in römischer Zeit, also etwa 400 n.Chr. die Namensform „Budiacum“ gelautet hat. In unserer Gegend gibt es einige Ortsnamen, die aus der Römerzeit stammen. Zum Beispiel Jüchen (866 Jochunda, im römischen „Jucundiacum“).  

Solche Ortsnamen mit der Endung -iacum waren am römischen Niederrhein, vor allem in der Kölner Gegend, sehr häufig. Sie wurden von einem Personennamen abgeleitet und stellen einen Typ dar, der über lange Zeit hinweg in vielen Sprachen verwendet wurde. Somit könnte der Namen Büttgen aus der Römerzeit stammt. Weitere Beweise liefern uns die Bodenfunde aus der römischen Zeit. So ist anzunehmen, dass der Name Budica = Büttgen aus der römischen Zeit stammt. 

Budecho – Budeche – Budeke  

Nach der ersten Erwähnung Büttgens im 9. Jahrhundert gibt es erst wieder im 14. Jahrhundert schriftliche Überlieferungen. 

Aus dem Jahr 1027 ist eine Urkunde vorhanden, die sich wahrscheinlich auf Büttgen bezieht. In ihr wird berichtet, dass Pfalzgraf Ermfried, der Vogt (Schutzherr) des Damenstifts Essen, dem Erzbischof Heribert von Köln, fünf Hufen im Dorf Budecho zusammen mit vier Anteilen Wald übertragen hat. Unter Hufe verstand man in dieser Zeit Ackerland in der Größe von etwa 30 Morgen (7,5 Hektar), das zum Unterhalt einer bäuerlichen Familie ausreichte. In der Regel gehörte deshalb ein Hof dazu. 

Erste Urkunde aus dem Jahr 1027  

Das Büttgen inmitten eines großen Waldes gelegen hat, bleibt ohne Zweifel, denn immer wieder wurde Holz aus dem „Büttger Wald“ verkauft. 

Dass es sich in der Urkunde von 1027 um Budecho, also Büttgen, handelt, ist anzunehmen, wenn auch nicht mit letzter Sicherheit beweisbar. Die Namensform lässt eine Identifikation ohne weiteres zu; auch die Rechte am Wald passen gut zu der örtlichen Situation, denn bis im 19.Jahrhundert spielte der große Büttger Wald eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen und politischen Leben des Dorfes. 

Weilerhof 

Fundstücke aus der Römerzeit wurden in der Nähe des Weilerhofes bei Büttgen gefunden. Seine mundartliche Form „Willer“ und die mittelalterliche Überlieferung „Wilre“ zeigen noch deutlicher die Herkunft aus dem Lateinischen. Man nimmt an, dass es sich dabei um eine Ableitung „villare“ von „villa“ handelt; letzteres bedeutete ein Landhaus oder ein Gutshof.  

Der beeindruckende Vierkanthof ist schon 1280 in Gerresheimer Urkunden aufgeführt. Darin wurde als Besitzer des Hofes im Abgaben-Registern ein „Reinbern de Wilre“ genannt. Dreihundert Jahre später, im Jahr 1591 soll auf diesem Hof, zirka einen Kilometer westlich von Büttgen, die wohl bekannteste Persönlichkeit von Büttgen geboren worden sein: Johann von Werth.