Wir wünschen allen ein schönes Osterfest 2019 – aber erinnern wir uns noch, welche Bedeutung dieses Fest hat? Oder freuen wir uns nur auf den Osterhasen und reichlich Schoko-Eier – und vergessen dabei, dass früher zu Ostern Fleisch, flirten und küssen verboten waren?

Niemand weiß genau, woher das Wort Ostern kommt. „Vielleicht vom gallo-fränkischen Wort austro (Morgenrot), was an den Gottesdienst am Ostermorgen erinnern könnte“, erklärt der Kölner Alfred Bammesberger. Der Historiker und Sprachwissenschaftler leitet es vom alten germanischen „aus-tra“ (schöpfen von Wasser) her und sieht eine Beziehung zur christlichen Tauffeier in der Osternacht. Bammesberger: „Gerade in der christlichen Region Niederrhein deuten einige Hinweise auf diese These.“ Er bestätigt: „Vor rund 70 Jahren standen an vielen katholischen Kirchen zwei große Zink-Badewannen voll Wasser, die als Weihwasser geweiht wurden.“ Daraus deckten die Bewohner den Bedarf an Weihwasser für den häuslichen Bedarf: „Denn in jedem katholischen Haus oder auf Bauernhöfen wurden die Gefäße Ostern mit neuem Weihwasser aufgefüllt“, so Bammesberger.

DIE BIBLISCHE GESCHICHTE

Zu Ostern (lat. pascha, von hebräisch pessach) feiern Christen die Auferstehung Jesu Christi vom Tod am Kreuz. Diese geschah nach urchristlicher Glaubensüberzeugung „am dritten Tag“ nach seinem Tod, wobei der Todestag als erster Tag zählte: also an dem Karfreitag folgenden Ostersonntag.

Da die Ereignisse nach Auskunft der Bibel in eine Pessach-Woche fielen, bestimmt der Termin des beweglichen jüdischen Hauptfestes auch das Osterdatum: Ostern fällt daher auf den Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond, im Gregorianischen Kalender frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April.

HEIDNISCHE EINFLÜSSE

Viele der zu Ostern praktizierten Bräuche und verwendete Symbole sind heidnischen oder volkstümlichen Ursprungs. Beispiele dafür sind der Osterhase und das Osterei, dass es in allen Farben und Bemalungen fertig zu kaufen gibt.

Die volkstümlichen Traditionen haben oft höhere Bedeutung als der urchristliche Hintergrund, dabei finden in den letzten Jahren einige Osterbräuche immer mehr Gefallen. So das Osterfeuer, das auf den germanischen Sonnenkult zurückgeführt wird. Angeblich soll es an die altgermanische Göttin Ostara erinnern, deren Symbole dem Mythos nach Hase und Ei waren. Ostereier und Osterhasen gelten daher als heidnische Fruchtbarkeitssymbole.

Auch andere Osterbräuche waren am Niederrhein sehr ausgeprägt. „Was zum Abschluss der Fastenzeit in Bayern die ‚Fleischweihe‘ war, war am Niederrhein der totale Verzicht auf Fleisch“, so Bammesberger. Bei Erzählungen von älteren Mitbürgern wird oft darauf hingewiesen: „In meiner Kindheit durfte von Gründonnerstag bis Karsamstag kein Fleisch mehr gegessen werden“. Was heute leicht mit einem Fisch- oder Salatgericht ersetzt wird, wurde früher bei den meisten Familien am Karfreitag durch „Hefeklöße“ (Dampfnudeln) mit eingemachten Pflaumen ersetzt.

Eine andere Überlieferung: „In der Fastenzeit, also von Aschermittwoch bis Ostern, war flirten und küssen verboten“, erklärt Bammesberger und fügt an: „Fast unvorstellbar, denn das waren ja 40 Tage“. Ab Ostermontag durften die jungen Männer und Frauen wieder mit einander flirten und tanzen: „Vielleicht sind darum die traditionellen Osterbälle am Ostermontag entstanden“, so der Historiker.